eLearning Chirurgie

Prof. Germer, Univ. Klinik Würzburg

Gallenblase

Oktober 13, 2011admin0

Cholezystolihtiasis

Das Gallensteinleiden ist eine häufige, durch den westlichen Ernährungsstil mit verursachte Erkrankung, wobei das bloße Vorliegen von Gallensteinen noch keinen Krankheitswert besitzt, sondern erst die Komplikationen, die dadurch möglicherweise verursacht werden. In ca. 75% der Fälle bleiben Gallensteine asymptomatisch und werden oft nur zufällig im Rahmen einer Rountinesonografie gefunden.

Besonders häufig betroffen sind von Gallensteinen übergewichtige Frauen um die vierzig, die häufig entbunden haben und einen hellen Hauttyp aufweisen (female, fat, forty, fertile, fair). Dies darf aber nur als grobe Faustregel gelten und nicht ausschließen, dass Patienten ohne diese Merkmale nicht auch ein Gallensteinleiden haben können.

Symptomatik & Diagnostik

Eine symptomatische Cholezystolithiasis kann rechtseitige Oberbauchschmerzen und Koliken verursachen. Diese Symptome sind aber eher unspezifisch, in jedem Fall sollte zur Abklärung auch eine Magenspiegelung gehören, um ein Magen- oder Duodenalulcus auszuschließen.
Bei Fieber und erhöhten Entzündungswerten sowie dem Vorliegen eines Murphy-Zeichens (Link), ist in jedem Fall auch an eine akute Cholezystitis zu denken. Sonografisch findet sich eine typische Wandverdickung und Dreischichtung der Gallenblase. Dieses Phänomen ist ein Artefakt, denn natürlich weist die Gallenblasenwand immer mehrere Schichten auf und nicht erst, wenn sie entzündet ist. Allerdings reicht die Auflösung der Ultraschallgeräte
noch nicht aus, um dies immer darzustellen. Erst durch das Wandödem, dass sich bei einer Entzündung bildet, sind die Schichten weit genug auseinander, um dieses Phänomen darzustellen.
In der Labordiagnostik wird besonderen Wert auf die Cholestaseparameter gelegt. Neben dem Bilirubin und den Transaminasen ist die vor allem die alkalische Phosphatase. Eine Erhöhung der Cholestasewerte kann immer für das Vorliegen von Gallengangssteinen sprechen. Diese verfangen sich meist am engsten Punkt kurz vor der Papilla vateri und der Mündung des Gallengangs ins Duodenum. Dieser Bereich ist aber durch die duodenale Luftüberlagerung sonografisch nur sehr schwer einzusehen. Indirekt kann als Zeichen einer extrahepatischen Cholestase
die Erweiterung des gemeinsamen Gallengangs, des DHC gesehen werden. Ist dieser weiter als 6-9 mm, sollte vor einer eventuell geplanten Operation einer ERC, eine endoskopische retrograde Cholangiografie erfolgen. Bei diesem mit einem speziellen Seitblick-Endoskop durchgeführten Verfahren kann die Papilla vateri erweitert werden und über diese Papillotomie eine Bergung eines Gallengangsteins erreicht werden. Dieses Verfahren stellt eine sehr gute Alternative zur intraoperativen Gallengangsrevision dar, die dennoch notwendig werden kann, wenn sich ein Stein endoskopisch nicht bergen lässt. Durch Gallengangssteine kann eine Pankreatitis ausgelöst werden, man spricht von einer biliären Genese oder einer biliären Pankreatitis.

ERCP bei hydropischer Gallenblase mit Konkrementen. Dormiakörbchen im stark erweiterten ductus hepaticus.

ERC & Papillotomie

Das Problem der ERC ist jedoch, dass durch die Papillotomie eine Pankreatitis ausgelöst werden kann. Diese verläuft in bis zu 1 ‰ fulminant nekrotisierend, der Untersuchung liegt als eine nicht zu unterschätzende Morbidität und Letalität zu Grunde. Da man sonografisch nur vermuten kann, dass ein Gallengangsstein vorliegt, ohne diesen direkt zu sehen, kann man vor der ERC noch eine MRCP, also eine Darstellung der Gallenwege mittels MRT durchführen.

Dies bietet zwar keine Internventionsmöglichkeit, aber das Risiko einer Pankreatitis ist nicht gegeben. Sollte sich ein Gallengangsstein zeigen, ist nach wie vor eine ERC notwendig. Ein weiterer Vorteil ist, dass das umgebende Gewebe mit dargestellt wird, was sehr hilfreich sein kann bei der Differentialdiagnose einer Cholestase.

MRCP
Beispiel einer ERCP bei Pankreas-CA mit Abbruch des Ductus choledochus




Hepatobiliär_Grunlagen_Ikterus

Oktober 13, 2011admin0

Basisdiagnostik

Die Basisdiagnostik der Leber umfasst neben der Anamnese und klinischen Untersuchung vor allem die Sonografie, die spezielle Labordiagnostik, die Computertomografie und Kernspinntomografie sowie die ERC.

Bei der klinischen Untersuchung prüft man, ob die Leber unter dem Rippenbogen tastbar ist, ob sie vergrößert und druckschmerzhaft ist. Das sog. Murphy-Zeichen, das schmerzbedingte Sistieren der Einatmung bei gleichzeitiger Palpation unter dem rechten Rippenbogen spricht für eine akute Cholezystitis, ein schmerzloser Ikterus und ein Gallenblasenhydrops für das Vorliegen einer Pankreaskarzinoms. Dieses Zeichen ist nach Courvoisier benannt.

Ikterus

Ein Ikterus ist definiert als Erhöhung des Gallefarbstoffes Bilirubin im Blut. Ab einer Bilirubinämie von ca. 2mg/dl ist klinischen der Befund eines Skleren- später auch Hautikterus zu sehen. Begleitet sein kann ein Ikterus von einem bisweilen quälenden Juckreiz. Durch die fehlende Färbung des Stuhls durch das Biliverdin kommt es zu sog. acholischen Stühlen, die hell bis tatsächlich weißlich imponieren.

Da das Bilirubin sich ins Blut zurückstaut, wird es vermehrt über die Nieren ausgeschieden, was dem Urin eine zunehmend dunkle, bierbraune Farbe verleiht.

Ikterus

Prä-, intra- und posthepatischer Ikterus

Es gibt sowohl obstruktive als nicht-obstruktive Ursachen. Der Ikterus kann prähepatisch verursacht sein, z.B.  durch vermehrt anfallendes Hämoglobin im Rahmen einer Hämolyse. Von einem intrahepatischen Ikterus spricht man beim Vorliegen einer Konjugationsstörung, also der Unfähigkeit der Leber, das indirekte in das direkte Bilirubin umzuwandeln, welches mit der Galle ausgeschieden wird. Ein Beispiel hierfür ist z.B.
der Morbus Meulengracht oder einer Leberzirrhose. Ein posthepatischer Ikterus kann durch ein mechanisches Hindernis verursacht werden, dass den Galleabfluss behindert, also einer posthepatischen Cholestase.

Als Ursache kommen hier Gallengangssteine aber auch Tumore des Gallengangs oder des Pankreaskopfes infrage.

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Video einer Hemihepatektomie

Ikterus
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Single-Port-Video

Video einer Single-Port-Cholezystektomie

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Kerstin
(Donnerstag, Mai 17. 2012 02:33 PM)
Großartig! Eignet sich gerade super zur Vorbereitung aufs Staatsexamen, weil es einem hier gelingt den Überblick zu behalten!
Matthias Janssen
(Sonntag, Mai 6. 2012 02:34 PM)
Hervorragend! Vor Allem zur StEx-Vorbereitung :P
Danke!
Kät
(Sonntag, Mai 6. 2012 10:50 AM)
Vielen Dank für diese tolle Seite!
Dank der übersichtlichen Gliederung und den klar zusammengestellten Fakten konnte ich nochmal die wichtigsten Sachen innerhalb kurzer Zeit wiederholen.Klasse!
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:43 AM)
…nur eine Anmerkung zur Ulkus-Seite: “die Hauptproduktion der Säure findet im Antrum statt” ist etwas verwirrend, finden sich die Belegzellen doch in Korpus und Fundus und nur die G-Zellen im Antrum….
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:40 AM)
Lieber Herr Wierlemann,
die Seite ist genial!! Vielen herzlichen Dank, besonders der Abschnitt zum Rektum-CA ist eine reiche Quelle an Informationen!!!

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