eLearning Chirurgie

Prof. Germer, Univ. Klinik Würzburg

Rektum_Therapie

September 21, 2011admin0

Grundlagen der Therapie des Rektumkarzinoms

Ein präzises Staging ist die Grundlage für eine leitliniengerechte Therapie. Das Ziel der Chirurgie des Rektumkarzinoms ist die radikale Entfernung des Tumors unter Einhaltung eines ausreichenden Sicherheitsabstandes. Bei gut differenzierten Tumoren sind hierfür 2 cm ausreichend, bei schlechter differenzierten Tumoren sollte ein höherer Sicherheitsabstand eingehalten werden.
Ein weiteres wichtiges onkologisches Grundprinzip ist die komplette Entfernung der lokoregionären Lymphknoten. Da die Lymphknoten entlang der Arterien verlaufen, wird dafür die A. mesenterica inferior abgesetzt. Umstritten ist dabei, ob eine stammnahe Ligatur an der Aorta einen Vorteil gegenüber eine Ligatur nach Abgang der A. colica sinistra bringt.1,2 Bei dem sog. „high tie“, also dem stammnahen Absetzen der A. mesenterica inferior muss der Resektionsrand am Kolon nahe der linken Flexur gewählt werden, weil der darunter liegende Darm durch das Unterbinden der A. colica sinistra ischämisch wird.

Das Ausmaß der Lymphadenektomie bestimmt also das Resektionsausmaß am Darm, dass ja weit über den unmittelbare geforderten Sicherheitsabstand von 2 cm hinaus geht.







Das Ausmaß der Darmresektion wird durch die Durchblutungssituation nach der Lymphadenektomie bestimmt

Total mesorektale Exzision

Das Rektum liegt zu zwei Dritteln extraperitoneal und ist in diesem Bereich von einem Fettkörper umgeben, der die Lymphknoten und die Gefäßversorgung enthält. Dieser Fettkörper wird von den pelvinen Faszien umhüllt, die ihn ovalär umgeben.

Zwischen diesen Faszien, der fascia pelvis visceralis und fascia pelvis parietalis liegt eine sehr gefäßarme Schicht, in der optimaler Weise die Präparation erfolgt. Somit vermeidet man Blutungen, die bei einer tubulären, also nahe dem Rektum erfolgenden Präparation auftreten würden.

Viel wichtiger ist jedoch die Mitentfernung des sog. mesorektalen Fettkörpers oder Mesorektums mit samt den darin enthaltenen lokoregionären Lymphknoten.

Dieser Operationsschritt heißt „totale mesorektale Exzision“ oder „partielle mesorektale Exzision“, je nach der Höhe des zu entfernenden Rektumkarzinoms. Im engeren anatomischen Sinne ist das Mesorektum kein Meso, da es sich dabei nicht um eine Dopplung des Peritoneums handelt, in dem organversorgende Gefäße ziehen. Der Begriff hat sich dennoch international so eingebürgert.

Neoadjuvante Vorbehandlung

Die Höhenlokalisation spielt bei der Wahl der Operationsstrategie eine entscheidende Rolle. Tumoren im oberen Drittel des Rektums werden vom Prinzip wie Kolonkarzinome behandelt, d.h. eine neoadjuvante Therapie wird in aller Regel nicht durchgeführt sondern die Karzinome primär reseziert. Obligater Bestandteil ist dabei die partielle mesorektale Exzision oder PME.

Im mittleren und unteren Drittel lokalisierte Tumoren werden in fortgeschrittenen Stadien neoadjuvant vorbehandelt. Kriterien für eine solche Vorbehandlung ist ein T-Stadium >=3 bzw. der V.a. Lymphknotenmetastasen.

Ein Karzinom mit prätherapeutischem Staging von uT3 uN0 würde also ebenso vorbehandelt werden wie ein Tumor mit der Formel uT2 uN+. Das Präfix „u“ steht dabei für ultrasound und ist die gängige Abkürzung für das Staging, welches präoperativ erhoben wurde.

Das definitive Staging wird mit einem „p“ für Pathologe begonnen und um ein „y“ ergänzt, wenn es sich um einen neoadjuvant vorbehandelten Tumor handelt. Ein „ypT2 ypN0 (0/15) M0 G2 R0“ Mindestens 12 Lymphknoten sollten im Präparat enthalten seinTumor wäre also bis in die Submukosa infiltriert, neoadjuvant vorbehandelt und ohne befallene Lymphknoten komplett entfernt worden. In diesem Falle sind 15 Lymphknoten vom Pathologen gefunden worden, die Mindestanzahl an untersuchten Lymphknoten sollte 12 betragen, um eine sichere Aussage über den N-Status eines Tumors machen zu können.

Das Ziel einer neoadjuvanten Vorbehandlung ist zum einen die Verkleinerung des Tumors im Sinne eines Downsizing, aber auch ein Downstaging soll erfolgen, also die Reduktion der Eindringtiefe.

So lassen sich mehr Tumoren kontinenzerhaltend resezieren bei gleichzeitiger Schonung der wichtigen Nervenplexus im kleinen Becken. Das Gesamtüberleben der Patienten wird durch eine neoadjuvante Vorbehandlung nicht beeinflusst, die ist in der Regel durch die Fernmetastasierung limitiert. Darauf hat die Neoadjuvanz keinen Einfluss, wohl aber auf die Wahrscheinlichkeit eines Lokalrezidivs. Lokalrezidive eines Rektumkarzinoms sind schwer zu behandeln und verschlechtern auf Grund lokaler Komplikationen die Lebensqualität der Patienten deutlich.

Langzeitradiochemotherapie vs. Kurzzeitradiatio

Im Moment lassen sich zwei unterschiedliche Therapieprinzipien in der Neoadjuvanz unterscheiden. Zum einen die Kurzzeitradiatio über eine Woche mit unmittelbar nachgeschalteter Operation. Zum anderen die Langzeitradiochemotherapie über 6 Wochen, bei der zu Beginn die Bestrahlung durch eine Chemotherapie mit 5-Fluoruracil (5-FU) unterstützt wird.

Das 5-FU wirkt dabei als Radiosensitzer, es verstärkt die Empfindlichkeit der Zellen für die Bestrahlung. Nach dieser Langzeitradiochemotherapie wird eine Pause von 6 Wochen vor der Operation eingehalten. Die Morbidität einer Rektumresektion ist nach Neoadjuvanz erhöht, jedoch überwiegen die Vorteile für den Patienten die Nachteile der Therapie.

Zur Wahl des neoadjuvanten Vorgehens heißt es in der S3-Leitline zum kolorektalen Karzinom:

In Situationen, in denen ein Downsizing angestrebt wird (T4-Tumore, nicht ausreichender Sicherheitsabstand im Dünnschicht- MRT zur mesorektalen Faszie – Abstand 1 mm oder weniger – oder erwünschter Sphinkterhalt bei Tumoren im unteren Drittel), soll der präoperativen Radiochemotherapie der Vorzug vor einer Kurzzeit-Radiotherapie gegeben werden.
Bei cT3-Tumoren oder cN+-Tumoren, bei denen kein Downsizing angestrebt wird, kann die präoperative Therapie entweder als Radiochemotherapie oder als Kurzzeitbestrahlung erfolgen.

Eine postoperative Radiochemotherapie bei initial unterschätztem Befund bringt schlechtere Ergebnisse bzgl. des Lokalrezidivs bei gleichzeitig deutlich erhöhter Komplikationsrate nach der Operation. 3
Nach adjuvant erfolgter Radiochemotherapie sollte unabhängig vom postoperativen Tumorstadium nach einer radikalen Operation ergänzend eine adjuvante Chemotherapie erfolgen, da dies das Gesamtüberleben der Patienten und das tumorfreie Überleben verbessert wird.4

Die Therapie jedes Patienten mit Rektumkarzinoms wird im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards festgelegt. Daran nehmen Gastroenterologen, Onkologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten, Radiologen, Pathologen und Gynäkologen teil.

Chirurgie des Rektumkarzinoms

Man unterscheidet zwischen der anterioren Rektumresektion für Tumore des oberen Drittels und tief anterioren Resektion bei Tumoren des mittleren und unteren Drittels. Die Rekonstruktion der Passage erfolgt dabei in der Regel mit einer maschinell durchgeführten Descendo-Rektostomie.

Dazu wird oft ein zirkuläres Klammernahtgerät verwendet, das gleichzeitig klammern und schneiden kann und so die Anastomose zwischen den Darmabschnitten herstellt.

Das Rektum weist im Gegensatz zum Kolon keine Taenien und daher auch keine gerichtete Peristaltik auf. Vielmehr dient es als Reservoir für den Stuhl und gibt sensorische Rückmeldung in Form von Stuhldrang. Nach der Resektion geht diese Funktion zumindest zum Teil verloren. Um die Peristaltikwelle des Descendes zu unterbrechen und nicht direkt auf den Rest des Rektums und den Sphinkterapparat treffen zu lassen, wird in den meisten Fällen ein Pouch angelegt. Dieser dient in gewissem Maße auch als neu geschaffenes Reservoir. Die gängigsten Methoden sind dabei ein J-Pouch oder ein Coloplastiepouch.

Je tiefer die Anastomose zu Liegen kommt, desto grenzwertiger wird die Durchblutung. Somit steigt die Gefahr einer postoperativen Anastomoseninsuffizienz mit der Folge einer Beckenphlegmone und Sepsis.

Daher sollte bei einer tief anterioren Rektumresektion immer eine Schutzileostoma angelegt werden. Dieser verhindert zwar nicht das Auftreten einer Insuffizienz, schließlich ändert es nichts an den Durchblutungsverhältnissen. Aber die Folgen einer Insuffizienz sind wesentlich weniger dramatisch, wenn der Darm deviiert wurde.

Möglicherweise verläuft dadurch eine ganze Anzahl an Anastomoseninsuffizienzen klinisch so inapparent, dass sie gar nicht diagnostiziert werden. Vor der Rückverlagerung eines Ileostomas muss daher immer sichergestellt werden, dass keine Insuffizienz besteht oder eine Stenose der Anastomose.

Bei sehr tief sitzenden Karzinomen kann es notwendig werden, eine abdomino-perineale Rektumresektion durchzuführen, wobei der Anus mitreseziert und das Colon descendens als endständiges Descendostoma ausgleitet wird.

Auch intersphinktäre Resektionen, also die abdomino-peranale Resektion sind möglich. Die dabei notwendig werdende Handnahtanastomose auf Sphinkterniveau erfordert aber viel operative Erfahrung.

Bei initial schlechter Sphinkterfunktion und eingeschränkter Kontinenz ist der abdominoperinealen Resektion mit endständigem Kolostoma der Vorzug zu geben, da eine gute Stomaversorgung allemal besser ist was die Lebensqualität und die pflegerische Situation angeht als eine ständige Inkontinenz.

Lokal limitierte Resektionsverfahren sind unter ganz engen Indikationskriterien ebenfalls möglich. Wenn es sich nachweislich um einen T1-Tumor handelt, der maximal 3 cm groß ist und eine gute bis mäßige Differenzierung aufweist, kann eine transanale Vollwandresektion erfolgen ohne radikale Lymphadenektomie.

Natürlich dürfen keine Lymphknoten als verdächtig gestaged werden, ansonsten verbietet sich diese Vorgehen. Histologisch muss die komplette Entfernung bestätigt werden, ansonsten ist eine Nachresektion im Sinne einer radikalen Operation notwendig. Bei T2-Karzinomen darf diese Methode auch nicht mehr zur Anwendung kommen, da 10-20% dieser Tumoren bereits lymphatisch metastasiert sind.

Totale mesorektale Exzision

Entscheidend für die Qualität der Resketion ist die komplette Entfernung des mesorektalen Fettkörpers, ohne diesen nach distal konisch herauszupräparieren. Dieses “Coning” würde mögliche Lymphknotenmetastasen zurücklassen und die Prognose für den Patienten verschlechtern.

Totale mesorektale Exzision

Die Güte der mesorektalen Exzision wird durch den Pathologen nach der M.E.R.C.U.R.Y.-Klassifikation in drei Grade eingeteil: good (1), intermediate (2) und good (3).

Tief anteriore Rektumresektion

Tief anteriore Rektumresektion

Situs nach Rekonstruktion

Situs nach Rekonstruktion


Literaturangaben

  1. PMID: 6508403.
  2. Slanetz CA Jr, Grimson R. Effect of high and intermediate ligation on survival and recurrence rates following curative resection of colorectal cancer. Dis Colon Rectum. 1997 Oct;40(10):1205-18; discussion 1218-9. PMID: 9336116.
  3. Sebag-Montefiore D, Stephens RJ, Steele R, Monson J, Grieve R, Khanna S, Quirke P, Couture J, de Metz C, Myint AS, Bessell E, Griffiths G, Thompson LC, Parmar M. Preoperative radiotherapy versus selective postoperative chemoradiotherapy in patients with rectal cancer (MRC CR07 and NCIC-CTG C016): a multicentre, randomised trial. Lancet. 2009 Mar 7;373(9666):811-20. PMID: 19269519.
  4. Bosset JF, Collette L, Calais G, Mineur L, Maingon P, Radosevic-Jelic L, Daban A, Bardet E, Beny A, Ollier JC; EORTC Radiotherapy Group Trial 22921. Chemotherapy with preoperative radiotherapy in rectal cancer. N Engl J Med. 2006 Sep 14;355(11):1114-23. PMID: 16971718.

Rektum-CA-Einleitung

September 20, 2011admin0

Einleitung

Das Rektum-Karzinom unterscheidet sich in wesentlichen Punkten vom Kolonkarzinom. Dies betrifft sowohl die Symptomatik und Klinik als auch ganz wesentlich die diagnostischen und therapeutischen Strategien. Zwei Drittel aller kolorektaler Karzinome sind im Rektum lokalisiert, etwa die Hälfte lässt sich mit einer überall und immer verfügbaren, wenig zeitaufwendigen Diagnostikmethode erfassen, die zudem auch sehr kosteneffizient ist: Mit dem Finger.

Die digital-rektale Untersuchung liefert ohne großen Aufwand bereits sehr viele Informationen über einen raumfordernden Prozess im Rektum. Dabei können Befund bis ca. 8-10 cm von der Anokutanlinie erfasst werden. Neben der Größenausdehnung im Bezug auf das Lumen (z.B. semizirkulär substenosierend) kann der erfahrene Untersucher das Ausmaß der Verschieblichkeit gegenüber der Rektumwand einschätzen. Je verschieblicher der Befund ist, desto geringer ist die Eindringtiefe des Tumors.

Diese so genannte Mason-Klassifikation korreliert dabei erstaunlich gut mit der Gesamtprognose des Patienten.

digital rektale Untersuchung

Besonderem Stellenwert kommt beim Rektumkarzinom die Ausbreitungsdiagnostik zu, also dem sog. Staging. Patienten mit lokal fortgeschrittenen Karzinomen profitieren von einer Vorbehandlung, die der radikalen Operation und Lymphadenektomie vorgeschaltet wird. Man spricht auch von einer neoadjuvanten Behandlung oder Neoadjuvanz.

Die guten Ergebnisse einer neoadjuvanten Behandlung lassen sich durch eine alleinige Nachbehandlung nicht erreichen, daher ist es von essentieller Bedeutung für den Patienten, dass der Tumor so genau wie möglich präoperativ gestaged wird.1,2

Symptomatik

Das Problem bei der Diagnostik der Rektumkarzinome ist, dass sie lange Zeit symptomlos bleiben. Alle Symptome, die auftreten können, sind Spätsymptome und Zeichen eines Jede Blutbeimengung im Stuhl ist verdächtig auf ein Karzinom!fortgeschrittenen Tumorwachstums.

Blutbeimengung im Stuhl ist immer verdächtig und sollte schlüssig abgeklärt werden, nötigenfalls auch mit einer Koloskopie. Mit der bloßen Verdachtsdiagnose „blutende Hämorrhoiden“ sollte man sich nie zufrieden geben.

Veränderungen der Stuhlgewohnheiten können ebenso wegweisend ein, insbesondere bleistiftdünne Stühle oder der Wechsel von Verstopfung und Diarrhoe, auch paradoxe Diarrhoe genannt. Dieses Beschwerdebild wird durch einen stenosierenden Tumor verursacht, der zunächst eine Obstruktion bewirkt. Durch Gärungsprozesse kommt es zur Verflüssigung des Stuhls, so dass er sich teilweise explosionsartig entleert. Auch jede Störung der Kontinenz sollte zur diagnostischen Abklärung veranlassen. Patienten, die vom sog. „falschen Freund“ berichten, also unwillkürlicher Stuhlabgang beim Ablassen von Winden, weisen möglicherweise ein tiefsitzendes Rektumkarzinom auf, das die Feinkontinenz beeinträchtigt.

Literaturangaben

  1. Sauer R, Becker H, Hohenberger W, Rödel C, Wittekind C, Fietkau R, Martus P, Tschmelitsch J, Hager E, Hess CF, Karstens JH, Liersch T, Schmidberger H, Raab R; German Rectal Cancer Study Group. Preoperative versus postoperative chemoradiotherapy for rectal cancer. N Engl J Med. 2004 Oct 21;351(17):1731-40. PMID: 15496622.
  2. Sauer R, Fietkau R, Wittekind C, Rödel C, Martus P, Hohenberger W, Tschmelitsch J, Sabitzer H, Karstens JH, Becker H, Hess C, Raab R; German Rectal Cancer Group. Adjuvant vs. neoadjuvant radiochemotherapy for locally advanced rectal cancer: the German trial CAO/ARO/AIO-94. Colorectal Dis. 2003 Sep;5(5):406-15. PMID: 12925071.

Magen-CA_Therapie

September 11, 2011admin0

Therapiestrategie

Der entscheidende Schritt in der Behandlung des Magenkarzinoms, der die Gesamtprognose am stärksten beeinflusst, ist die chirurgische Therapie. Das Ziel ist immer eine RO-Resektion zu erreichen, also eine Resektion makroskopisch und mikroskopisch im Gesunden, ohne das Tumorreste im Körper verbleiben.

Ergänzt wird die Gastrektomie durch eine Entfernung aller Lymphknoten, die den Magen direkt umgeben (D1-Segment) und den Lymphknoten entlang des Truncus coeliacus, der A. hepatica und der A. lienalis (D2-Segment).

In Japan wird standardmäßig eine erweiterte Lymphadenektomie durchgeführt, die das Kompartiment DIII unfasst. Dies wird durch die Tatsache begünstigt, dass bei asiatischen Patienten das viscerale Fett nicht so ausgeprägt ist. Dadurch wird dieser Schritt technisch einfacher.

Eine Metastasierung in die paraaortalen und mesenterialen Lymphknoten (D3-Segment) wird als Fernmetastasierung gewertet, eine Mitresektion dieser Lymphknoten bietet für die Patienten keine Vorteil im Gesamtüberleben, erhöht aber die Morbidität des Eingriffs.

Risikobewertung

Voraussetzung für eine erfolgreiche Operation ist neben der Resektabilität des Tumors auch die Operabilität des Patienten, also die funktionelle Operabilität. Patienten mit einem Magenkarzinom sind nicht selten unter- bzw. fehlernährt, was entscheidenden Einfluss auf das postoperative Outcome und die Entwicklung beispielsweise einer Anastomoseninsuffizienz hat. Auch die generelle Leistungsfähigkeit und die Komorbiditäten eines Patienten müssen dabei berücksichtigt werden.

Multimodale Therapiekonzepte

Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren (uT3/uT4) kann eine neoadjuvante Chemotherapie eine Tumorverkleinerung im Sinne eines „Downsizing“ und „Downstaging“ erreichen und die Chanchen auf eine R0-Resektion erhöhen. Üblicherweise wird nach Abschluss einer solchen vorgeschalteten Chemotherapie eine Re-staging-Untersuchung durchgeführt, die das Ansprechen des Tumors auf die Behandlung zeigen kann. Auch bei gutem Ansprechen ist die nachfolgende Resektion obligat, da der seltene Fall einer complete response nur am vollständigen Präparat histologisch durch den Pathologen beurteilt werden kann.

Chirurgische Resektion

Die Lokalisation und der histologische Typ nach Laurén hat Einfluss auf die Wahl des Operationsverfahren, ebenso die TNM-Kategorie. AEG-II-Tumoren der Kardia werden transhiatal erweitert operiert, wobei der komplette Magen und eine distale Ösophagusmanschette reseziert wird.

Beim eigentlichen Magenkarzinom wird standardmäßig eine Gastrektomie durchgeführt. Nur bei intestinalen Tumoren, die sehr weit distal liegen kann unter Berücksichtigung eines ausreichenden Sicherheitsabstand eine subtotale oder 4/5 Magenresektion durchgeführt werden. Einen Einfluss auf das Gesamtüberleben hat dies nicht, die Lebensqualität ist aber nach einer subtotalen Mangenresektion deutlich besser.1

Obligater Bestandteil jeder Gastrektomie beim Magenkarzinom ist eine Omentektomie, also Entfernung des großen Netzes, welches seinen entwicklungsgeschichtlichen Ursprung ja am Magen hat. Auch eine Bursektomie wird durchgeführt, die Resektion der Bursa omentalis auf dem Pankreasoberrand.

Transhiatal erweiterte Gastrektomie bei AEG II-Tumor

Gastrektomie mit Omentektomie, Bursektomie und DII-Lymphadenektomie

Gastrektomie mit Omentektomie, Bursektomie und DII-Lymphadenektomie

Subtotale Gastrektomie bei distal lokalisierten intestinalen Tumoren

Lymphadenektomie

Eine systematische DII-Lymphadenektomie umfasst die Mitentfernung aller perigastrischen Lymphknoten und die Lymphknoten um den Truncus coeliacus, die A. hepatica und die A. lienalis. In der Regel können dabei mehr als 25 Lymphknoten entfernt und histologisch untersucht werden. Um im abschließenden Tumorstaging die Angabe „pN0“ machen zu können, sollten mindestens 16 regionäre Lymphknoten untersucht und als tumorfrei klassifizier worden sein. Die Splenektomie gehört standardmäßig nicht zum Resektionsumfang.2

Rekonstruktion

Die Rekonstruktion der Nahrungspassage erfolgt durch Hochzug einer Dünndarmschlinge. Eine besser Schluckfunktion und Lebensqualität erfahren Patienten, wenn man eine Dopplung der Dünndarmschlinge anlegt, einen sog. Pouch. Intrathorakal ist die Anlage eines Pouches jedoch nicht durchführbar, so dass dieses Verfahren bei AEG-II-Tumoren nicht zur Verfügung steht.
Sollte der Patient funktionell nicht operabel sein, ist die Durchführung einer definitiven Radiochemotherpie in potientiell kurativer Absicht möglich, ansonsten ist die perioperative Chemotherapie, also vor und nach der Operation das Standardvorgehen für fortgeschritte Tumoren. Eine präoperative Radiochemotherapie hat keinen Stellenwert in der Therapie des Magenkarzinoms.

Ausmaß der DII-Lymphadenektomie

Magenfrühkarzinom

Beim Magenfrühkarzinom wird nur die Mukosa bzw. Submukosa infiltriert. Die Japanische Klassifikation unterscheidet dabei einen erhabenen, flachen oder eingesenkten Typ.
Aufgrund der ausgeprägten lymphatischen Versorgung der Submukosa steigt bei einem Fortschreiten der Infiltration von der Mukosa in die Submukosa die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen von Lymphknotenmetastasen von 4-5% auf 22%.
Ein Magenfrühkarzinom kann mittels endoskopischer Resektion behandelt werden, wenn es folgende Kriterien erfüllt:

  • Läsionen von <2 cm beim erhabenen Typ
  • Läsionen von <1cm beim flachen Typ
  • Keine makroskopische Ulzeration
  • Histologischer Differenzierungsgrad gut oder mäßig (G1/G2)
  • Invasion begrenzt auf die Mukosa

Diese Resektion sollte an einem Zentrum mit viel Erfahrung bei dieser Behandlung durchgeführt werden. Die Resektion sollte dabei als En-bloc-Resektion erfolgen, die eine komplette histologische Beurteilung auch der Ränder des Befundes erlaubt.





Literaturangaben

  1. Bozzetti F, Marubini E, Bonfanti G, Miceli R, Piano C, Gennari L. Subtotal versus total gastrectomy for gastric cancer: five-year survival rates in a multicenter randomized Italian trial. Italian Gastrointestinal Tumor Study Group. Ann Surg. 1999 Aug;230(2):170-8. PMID: 10450730.
  2. Siewert JR, Böttcher K, Roder JD, Busch R, Hermanek P, Meyer HJ. Prognostic relevance of systematic lymph node dissection in gastric carcinoma. German Gastric Carcinoma Study Group. Br J Surg. 1993 Aug;80(8):1015-8. PMID: 8402053.
Gästebuch
Name:
Email:
Für:  
Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht
(aber sie ist erforderlich)
Kerstin
(Donnerstag, Mai 17. 2012 02:33 PM)
Großartig! Eignet sich gerade super zur Vorbereitung aufs Staatsexamen, weil es einem hier gelingt den Überblick zu behalten!
Matthias Janssen
(Sonntag, Mai 6. 2012 02:34 PM)
Hervorragend! Vor Allem zur StEx-Vorbereitung :P
Danke!
Kät
(Sonntag, Mai 6. 2012 10:50 AM)
Vielen Dank für diese tolle Seite!
Dank der übersichtlichen Gliederung und den klar zusammengestellten Fakten konnte ich nochmal die wichtigsten Sachen innerhalb kurzer Zeit wiederholen.Klasse!
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:43 AM)
…nur eine Anmerkung zur Ulkus-Seite: “die Hauptproduktion der Säure findet im Antrum statt” ist etwas verwirrend, finden sich die Belegzellen doch in Korpus und Fundus und nur die G-Zellen im Antrum….
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:40 AM)
Lieber Herr Wierlemann,
die Seite ist genial!! Vielen herzlichen Dank, besonders der Abschnitt zum Rektum-CA ist eine reiche Quelle an Informationen!!!

1 · 2 · 3 · 4
Suchen
Umfrage

Wie finden Sie diese Seite?

View Results

Loading ... Loading ...
Kontakt
Dr. med. A. Wierlemann Oberdürrbacherstr. 6

97080 Würzburg

Email: Wierlemann_A@chirurgie.uni-wuerzburg.de

www.zom-wuerzburg.de www.chirurgievorlesung-wuerzburg.de
QR Code Business Card