eLearning Chirurgie

Prof. Germer, Univ. Klinik Würzburg

Hyperthyreose

Oktober 10, 2011admin0

Morbus Basedow

Neben der iatrogenen Hyperthyreose durch exzessive Jodzufuhr beispielsweise in Form von jodhaltigem Kontrastmitteln oder bestimmten Medikamenten, kann auch ein Morbus Basedow eine Hyperthyreose auslösen.

Diese im Englischen auch als Graves Disease bezeichnete Erkrankung ist durch eine Erhöhung der Schilddrüsenhormone gekennzeichnet, deren Wirkung außerhalb der Schilddrüse liegt. Ursächlich sind Autoantikörper gegen den TSH-Rezeptor. Dieser wird kompetitiv besetzt und die Schilddrüse somit dauerhaft stimuliert. Es handelt sich also um eine Autoimmunerkrankung.

Symptome

Neben den bekannten Hyperthyreosezeichen wie Tachykardie, Herzrhythmusstörungen und Wärmeintoleranz kann es beim Morbus Basedow auch noch zu dem typischen Exopthalmus kommen. Dieser ist zwar nicht immer ausgebildet, ist ansonsten aber eine Blickdiagnose im wahrsten Sinne des Wortes. Das Phänomen wird durch Veränderungen des retrobulbären Fettkörpers hervorgerufen, dessen Ursache letztlich nicht ganz geklärt ist.

Exopthalmus bei Morbus Basedow

Urheber: Jonathan Trobe, M.D.
University of Michigan Kellogg Eye Center

Therapie

Die Therapie des Morbus Basedow ist in erster Linine konservativ. Durch eine medikamentöse Behandlung versucht man, die negativen Effekte der Hyperthyreose abzuschwächen, es werden z.B. Betablocker eingesetzt. Andererseits wird versucht, den Einfluss der Autoantikörper
abzuschwächen, in dem sie von den Rezeptoren verdrängt werden. Dieses „Blocken“ der Schilddrüse kann z.B. mit Carbimazol erreicht werden. Nach ca. einem Jahr wird ein Therapieauslassversuch unternommen. Nur wenn es zu einem Rezidiv kommt, oder wenn die Therapie
nicht ausreichend wirkt, kann eine operative Sanierung der Schilddrüse überlegt werden. Alternativ kann auch eine Radiojodtherapie zum Einsatz kommen. Dabei wird radioaktiv markiertes Jod appliziert, dass von der Schilddrüse aufgenommen wird und sie von innen heraus zerstört.
Schilddrüsenautonomie

Urheber: Wikipedia-User
Drahreg01

Schilddrüsen-Autonomie

Einzelne Bereiche der Schilddrüse können sich vom hypothalamisch-hypopyhsären Regelkreislauf entkoppeln und unkontrolliert Schilddrüsenhormone produzieren.

Diese autonomen Bereiche stellen sich in der Schilddrüsenszintigrafie als heiße Knoten mit erhöhter Stoffwechselaktivität dar.

Auch sie können mit einer Radiojodtherapie behandelt oder operativ entfernt werden.

Thyreoditis

Akute Thyreoditis

Auch eine Entzündung der Schilddrüse kann eine Überfunktion auslösen, besonders im akuten Stadium. Dieses meist viral bedingte Krankheitsbild kann mit einer Überwärmung, Globusgefühl und Halsschmerzen einhergehen. Man unterscheidet die akute Thyreoiditis von der subakuten und der chronischen Form.

Hashimoto-Thyreoditis

Die chronische Form wird auch als Hashimoto-Thyreoiditis bezeichnet. Sie verursacht meist nur zu Beginn eine Hyperthyreose, im weiteren Verlauf werden die Patienten eher hypothyreot und müssen substitutiert werden. Es kommt zu einer zunehmenden Fibrosierung der Schilddrüse, die mit einem Funktionsverlust einhergeht.

Thyreoditis de Quervain

Die subakute Form heißt auch Thyreoiditis de Quervain und geht mit einer Schwellung des Halses und starkem Krankheitsgefühl einher.
Die Therapie ist in erster Linie konservativ, nur bei mechanischen Beeinträchtigungen oder Malignitätsverdacht sollte zu einer Operation geraten werden.

Iatrogene Hyperthyreose

Auch durch übermäßige Jodzufuhr von außen kann eine Hyperthyreose verursacht werden. Dabei kommen in erster Linie jodhaltige Kontrastmittel in Frage. Aber auch einige Medikamente enthalten größere Mengen Jod, z.B. das Antiarythmikum Amiodaron. Im Extremfall kommt es zu einer thyreotoxischen Krise, die mit extrem ansteigender Körpertemperatur, Herzrhythmusstörungen und Vigilanzminderung verbunden ist. Ein Patient mit thyreotoxischer Krise muss auf die Intensivstation verlegt werden, mit Betablockern und Schilddrüsenblockern wird versucht die Symptome abzumildern. Eventuell muss ein solcher Patient intubiert und relaxiert werden, nötigenfalls muss notfallmäßig eine Tyhreoidektomie erfolgen.

Struma_Symptomtik & Diagnostik

Oktober 10, 2011admin0

Symptomatik

Durch die Vergrößerung der Schilddrüse können mechanische Komplikationen auftreten wie Schluckstörungen, Behinderung der Atmung durch Stridor oder Tracheomalazie, eine Aufweichung der Trachea, die zu einem plötzlichen Kollaps der Luftröhre führen kann. Dies ist besonders für den Anästhesisten bei einer Operation relevant, weil es nach der Extubation zu einem plötzlichen Verlegen der Atemwege führen kann. Eine bestehende Heiserkeit ist immer verdächtig auf eine Infiltration des Nervus reccurrens und kann auf einen malignen Prozeß hinweisen.

Eine Veränderung der Hormonstoffwechsellage kann mit subtilen bis sehr auffälligen Symptomen verbunden sein, die nicht immer spezifisch sein müssen und für den behandelnden Arzt eine Herausforderung darstellen können.

Eine Erhöhung der Schilddrüsenhormone, eine Hyperthyreose also kann verbunden sein mit Unruhe, Hitzegefühl, Wärmeintoleranz, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, Gewichtsabnahme, gastrointestinalen Symptomen wie z.B. Durchfall und psychomotorischer Übererregbarkeit.

Dies kann soweit gehen, dass die Diagnose einer Hyperthyreose erst vom Psychiater gestellt wird.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann mit Gewichtszunahme, Müdigkeit & Antrieblosigkeit, Depression und Kältegefühl einhergehen.

Diagnostik

Klinische Untersuchung

Neben der Anamnese kann auch die klinische Untersuchung wertvolle Hinweise geben. Die Schilddrüse wird dabei von hinten am sitzenden Patienten palpiert. Dabei lassen sich eventuelle Knotenbefunden in der Schilddrüse tasten, die Größe und Konsistenz kann abgeschätzt werden sowie die Schluckverschieblichkeit. Lässt man den Patieten schlucken und die Schilddrüse bleibt dabei fixiert, spricht dies eher für einen infiltrierenden Prozeß.
Auch ein Schwirren lässt sich manchmal an der Schilddrüse tasten. Dieser für den M. Basedow mit ausgeprägter Hyperthyreose typische Befund fühlt sich an, als ober unter Haut ein Wespennest sitzt. Verursacht wird dieses Phänomen durch arteriovenöse Shunts, die auftreten können, wenn die Durchblutung der Schilddrüse stark erhöht ist. Einen ähnlichen Tastbefund kann man übrigens über Dialyseshunts erheben.

Weitere Zeichen für das Vorliegen eine Morbus Basedow werden als Blickdiagnose erhoben und werden im entsprechenden Kapitel besprochen.

Labordiagnostik

Zur Routine-Labordiagnostik bei der Schilddrüse gehören fT3 und fT4, die freie Formen der ansonsten proteingebundenen Schilddrüsenhormone. Darüber hinaus wird das TSH, das tyreozytenstimulierende Hormon bestimmt, um etwas über den hypophysären Regelkreis aussagen zu können. In der erweiterten Labordiagnostik spielen Antikörper und Tumormarker eine Rolle, die in den jeweiligen Kapiteln besprochen werden.

Sonografie

Die Schilddrüsensonografie ist schnell und beinahe überall verfügbar. Ein erfahrener Untersucher kann die Größe der Schilddrüse beurteilen und eventuell vorliegende Knoten entdecken. Diese Knoten lassen sich anhand des Echobinnenmusters in echoarme, echoreiche und echoinhomogene Knoten einteilen. Die Nebenschilddrüsen lassen sich oft nur abgrenzen, wenn sie vergrößert sind.

Sonografie der Schilddrüse
Schilddrüsenszintigrafie

Urheber: Bionerd

Szintigrafie

Neben der morphologischen Beurteilung durch den Ultraschall, ist es wichtig, eine Aussage über die Stoffwechselaktivität der gefundenen Knoten zu erhalten. Dazu dient die Schilddrüsen-Szintigrafie.

Dabei wird radioaktiv markiertes Jod appliziert und die Radioaktivität der Schilddrüse mit einer speziellen Kamera aufgezeichnet. Zonen mit erhöhter Stoffwechselaktivität werden als heiße Knoten bezeichnet. Eine verminderte Aufnahme des radioaktiven Jods wird kalter Knoten genannt.

Ein heißer Knoten spricht am ehesten für einen autonomen Bezirk, in dem sich die Thyreozyten dem normalen Regelkreis und dem hypophysären Einfluss entziehen.

Ein kalter Knoten mit verminderter Stoffwechselaktivität ist immer verdächtig auf das Vorliegen eines Malignoms. Ein Beweis dafür ist das natürlich nicht, also nicht jeder kalte Knoten ist eine Indikation für eine Operation oder der Beweis für das Vorliegen eines Karzinoms.

Feinnadelaspirationspunktion

Will man einen malignitätsverdächtigen Befund vor einer Operation weiter abklären, besteht die Möglichkeit, einer Aspirationszytologie. Diese Punktion wird mit einer sehr feinen Nadel durchgeführt und darin liegt auch ein Problem dieser Methode. In dem nur wenige Zellschichten umfassenden Stanzzylinder könnte ein Bereich des Knotens abgebildet sein, der nicht repäsentativ für den gesamten Knoten ist. Eine negative Punktionszytologie schließt als ein Karzinom nie aus. Durch den inhomogenen Aufbau der Knoten ist ein falsch negatives Ergebnis sogar gar nicht so selten. Eine positive Histologie muss in jedem Fall durch eine Operation und eine endgültige Histologie bestätigt werden.

Die diagnostische Wertigkeit dieser Feinnadelaspirationszytologie ist daher umstritten, auch vor dem Hintergrund, dass eine Punktion immer Verklebungen an der Schilddrüse verursacht, die bei der Operation ein schichtgerechtes Präparieren erschwert.

Gästebuch
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Kerstin
(Donnerstag, Mai 17. 2012 02:33 PM)
Großartig! Eignet sich gerade super zur Vorbereitung aufs Staatsexamen, weil es einem hier gelingt den Überblick zu behalten!
Matthias Janssen
(Sonntag, Mai 6. 2012 02:34 PM)
Hervorragend! Vor Allem zur StEx-Vorbereitung :P
Danke!
Kät
(Sonntag, Mai 6. 2012 10:50 AM)
Vielen Dank für diese tolle Seite!
Dank der übersichtlichen Gliederung und den klar zusammengestellten Fakten konnte ich nochmal die wichtigsten Sachen innerhalb kurzer Zeit wiederholen.Klasse!
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:43 AM)
…nur eine Anmerkung zur Ulkus-Seite: “die Hauptproduktion der Säure findet im Antrum statt” ist etwas verwirrend, finden sich die Belegzellen doch in Korpus und Fundus und nur die G-Zellen im Antrum….
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:40 AM)
Lieber Herr Wierlemann,
die Seite ist genial!! Vielen herzlichen Dank, besonders der Abschnitt zum Rektum-CA ist eine reiche Quelle an Informationen!!!

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Dr. med. A. Wierlemann Oberdürrbacherstr. 6

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Email: Wierlemann_A@chirurgie.uni-wuerzburg.de

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