Hyperthyreose
Morbus Basedow
Diese im Englischen auch als Graves Disease bezeichnete Erkrankung ist durch eine Erhöhung der Schilddrüsenhormone gekennzeichnet, deren Wirkung außerhalb der Schilddrüse liegt. Ursächlich sind Autoantikörper gegen den TSH-Rezeptor. Dieser wird kompetitiv besetzt und die Schilddrüse somit dauerhaft stimuliert. Es handelt sich also um eine Autoimmunerkrankung.
Symptome
Neben den bekannten Hyperthyreosezeichen wie Tachykardie, Herzrhythmusstörungen und Wärmeintoleranz kann es beim Morbus Basedow auch noch zu dem typischen Exopthalmus kommen. Dieser ist zwar nicht immer ausgebildet, ist ansonsten aber eine Blickdiagnose im wahrsten Sinne des Wortes. Das Phänomen wird durch Veränderungen des retrobulbären Fettkörpers hervorgerufen, dessen Ursache letztlich nicht ganz geklärt ist.
Urheber: Jonathan Trobe, M.D.University of Michigan Kellogg Eye Center
Therapie
Urheber: Wikipedia-UserDrahreg01
Schilddrüsen-Autonomie
Einzelne Bereiche der Schilddrüse können sich vom hypothalamisch-hypopyhsären Regelkreislauf entkoppeln und unkontrolliert Schilddrüsenhormone produzieren.
Diese autonomen Bereiche stellen sich in der Schilddrüsenszintigrafie als heiße Knoten mit erhöhter Stoffwechselaktivität dar.
Auch sie können mit einer Radiojodtherapie behandelt oder operativ entfernt werden.
Thyreoditis
Akute Thyreoditis
Auch eine Entzündung der Schilddrüse kann eine Überfunktion auslösen, besonders im akuten Stadium. Dieses meist viral bedingte Krankheitsbild kann mit einer Überwärmung, Globusgefühl und Halsschmerzen einhergehen. Man unterscheidet die akute Thyreoiditis von der subakuten und der chronischen Form.
Hashimoto-Thyreoditis
Die chronische Form wird auch als Hashimoto-Thyreoiditis bezeichnet. Sie verursacht meist nur zu Beginn eine Hyperthyreose, im weiteren Verlauf werden die Patienten eher hypothyreot und müssen substitutiert werden. Es kommt zu einer zunehmenden Fibrosierung der Schilddrüse, die mit einem Funktionsverlust einhergeht.
Thyreoditis de Quervain
Die subakute Form heißt auch Thyreoiditis de Quervain und geht mit einer Schwellung des Halses und starkem Krankheitsgefühl einher.
Die Therapie ist in erster Linie konservativ, nur bei mechanischen Beeinträchtigungen oder Malignitätsverdacht sollte zu einer Operation geraten werden.
Iatrogene Hyperthyreose
Auch durch übermäßige Jodzufuhr von außen kann eine Hyperthyreose verursacht werden. Dabei kommen in erster Linie jodhaltige Kontrastmittel in Frage. Aber auch einige Medikamente enthalten größere Mengen Jod, z.B. das Antiarythmikum Amiodaron. Im Extremfall kommt es zu einer thyreotoxischen Krise, die mit extrem ansteigender Körpertemperatur, Herzrhythmusstörungen und Vigilanzminderung verbunden ist. Ein Patient mit thyreotoxischer Krise muss auf die Intensivstation verlegt werden, mit Betablockern und Schilddrüsenblockern wird versucht die Symptome abzumildern. Eventuell muss ein solcher Patient intubiert und relaxiert werden, nötigenfalls muss notfallmäßig eine Tyhreoidektomie erfolgen.
Struma_Symptomtik & Diagnostik
Symptomatik
Eine Veränderung der Hormonstoffwechsellage kann mit subtilen bis sehr auffälligen Symptomen verbunden sein, die nicht immer spezifisch sein müssen und für den behandelnden Arzt eine Herausforderung darstellen können.
Dies kann soweit gehen, dass die Diagnose einer Hyperthyreose erst vom Psychiater gestellt wird.
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann mit Gewichtszunahme, Müdigkeit & Antrieblosigkeit, Depression und Kältegefühl einhergehen.
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Weitere Zeichen für das Vorliegen eine Morbus Basedow werden als Blickdiagnose erhoben und werden im entsprechenden Kapitel besprochen.
Labordiagnostik
Zur Routine-Labordiagnostik bei der Schilddrüse gehören fT3 und fT4, die freie Formen der ansonsten proteingebundenen Schilddrüsenhormone. Darüber hinaus wird das TSH, das tyreozytenstimulierende Hormon bestimmt, um etwas über den hypophysären Regelkreis aussagen zu können. In der erweiterten Labordiagnostik spielen Antikörper und Tumormarker eine Rolle, die in den jeweiligen Kapiteln besprochen werden.
Sonografie
Die Schilddrüsensonografie ist schnell und beinahe überall verfügbar. Ein erfahrener Untersucher kann die Größe der Schilddrüse beurteilen und eventuell vorliegende Knoten entdecken. Diese Knoten lassen sich anhand des Echobinnenmusters in echoarme, echoreiche und echoinhomogene Knoten einteilen. Die Nebenschilddrüsen lassen sich oft nur abgrenzen, wenn sie vergrößert sind.
Urheber: Bionerd
Szintigrafie
Neben der morphologischen Beurteilung durch den Ultraschall, ist es wichtig, eine Aussage über die Stoffwechselaktivität der gefundenen Knoten zu erhalten. Dazu dient die Schilddrüsen-Szintigrafie.
Dabei wird radioaktiv markiertes Jod appliziert und die Radioaktivität der Schilddrüse mit einer speziellen Kamera aufgezeichnet. Zonen mit erhöhter Stoffwechselaktivität werden als heiße Knoten bezeichnet. Eine verminderte Aufnahme des radioaktiven Jods wird kalter Knoten genannt.
Ein heißer Knoten spricht am ehesten für einen autonomen Bezirk, in dem sich die Thyreozyten dem normalen Regelkreis und dem hypophysären Einfluss entziehen.
Ein kalter Knoten mit verminderter Stoffwechselaktivität ist immer verdächtig auf das Vorliegen eines Malignoms. Ein Beweis dafür ist das natürlich nicht, also nicht jeder kalte Knoten ist eine Indikation für eine Operation oder der Beweis für das Vorliegen eines Karzinoms.
Feinnadelaspirationspunktion
Will man einen malignitätsverdächtigen Befund vor einer Operation weiter abklären, besteht die Möglichkeit, einer Aspirationszytologie. Diese Punktion wird mit einer sehr feinen Nadel durchgeführt und darin liegt auch ein Problem dieser Methode. In dem nur wenige Zellschichten umfassenden Stanzzylinder könnte ein Bereich des Knotens abgebildet sein, der nicht repäsentativ für den gesamten Knoten ist. Eine negative Punktionszytologie schließt als ein Karzinom nie aus. Durch den inhomogenen Aufbau der Knoten ist ein falsch negatives Ergebnis sogar gar nicht so selten. Eine positive Histologie muss in jedem Fall durch eine Operation und eine endgültige Histologie bestätigt werden.
Die diagnostische Wertigkeit dieser Feinnadelaspirationszytologie ist daher umstritten, auch vor dem Hintergrund, dass eine Punktion immer Verklebungen an der Schilddrüse verursacht, die bei der Operation ein schichtgerechtes Präparieren erschwert.
