eLearning Chirurgie

Prof. Germer, Univ. Klinik Würzburg

Hyperparathyreoidismus

Oktober 11, 2011admin0

Pyhsiologie

In der Regel gibt es vier Nebenschilddrüsen, die der Schilddrüse an der Rückseite oben und unten anliegen. Sie sind für die Kalziumhomöostase im Körper verantwortlich. Das Parathormon, welches in den Nebenschilddrüsen gebildet wird, mobilisiert Kalzium aus den Knochen und fördert die enterale Aufnahme aus dem Magen-Darm-Trakt. Gleichzeitig wird der renale Kalziumverlust durch verminderte Ausscheidung erniedrigt.

Hypercalciämie

Das Kalzium ist im Körper einer strengen Regulierung unterworfen, da eine Über- oder Unterversorgung starke Symptome hervorrufen kann. Hypokalziämie, die z.B. nach einer Operation an der Schilddrüse oder Nebenschilddrüse auftreten kann, verursacht Muskelkrämpfe und Kribbelparästhesien. Eine Erhöhung des Calciums kann zu Nierensteinen oder kardialen Beschwerden führen.

Nebenschilddrüsen

Symptomatik

Die klassische Trias „Stein-, Bein-, Magenpein“ tritt selten in vollem Umfang auf, dennoch sollten genaue diese Symptome im Anamnesegespräch geprüft werden. Mit Steinleiden sind dabei in erster Linie Nieren- und Harnleitersteine gemeint, die sich durch die erhöhte Kalziumkonzentration im Blut und im Urin bilden können. Knochenschmerzen können durch die ständige Mobilisierung von Calcium verursacht werden und die Magenschmerzen schließlich könnten für eine erosvie Gastritis sprechen oder ein Magenulcus, verursacht durch die erhöhte Ausschüttung von Gastrin, die durch das Kalzium verursacht wird.

Einteilung

Man unterscheidet ätiologisch drei Typen des Hyperparathyreoidismus. Beim primären Hyperparathyreoidismus ist ein Adenom einer oder selten auch mehrerer Nebenschilddrüsen ursächlich für die Erhöhung des Parathormonspiegels.

Bei der sekundären Form ist meistens ein Nierenleiden für das Krankheitsbild verantwortlich, z.B. eine chronische Niereninsuffizienz oder ein dialysepflichtiges Nierenversagen. Dadurch geht renal soviel Kalzium verloren, dass die Nebenschilddrüsen ständig aktiviert werden und letztlich hyperplasieren, so dass sie in ihrer Gesamtheit zu viel Parathormon produzieren, ohne dass eine einzelne Drüse dies verursachen würde.

Besteht ein sekundärer Hyperparathyreoidismus über längere Zeit, kann sich in einer oder in mehreren Nebenschilddrüsen ein Adenom bilden, in diesem Fall spricht man von einem tertiären Hyperparathyreoidismus.

Primärer HPT

Entstehung

Erkankung der Nebenschilddrüse mit primärer Überproduktion von Parathormon

Laborveränderungen

PTH↑, Ca++↑Phosphat↓

Anatomie

ca. 80% solitäres
Nebenschilddrüsenadenom

ca. 15% Hyperplasie aller
vier Nebenschilddrüsen

ca. 5% mehrere
Nebenschilddrüsenadenome

<1% Nebenschilddrüsen-
karzinome

Sekundärer HPT

Entstehung

Sekundäre Überproduktion von Parathormon durch Absinken des Ca++, vor allem bei Niereninsuffizienz

Laborveränderungen

PTH↑, Ca++

Anatomie

4-Drüsen-Hyperplasie

Tertiärer HPT

Entstehung

Erhöhter Ca++-Spiegel im Verlauf bei sHPT durch sekundär entstandene Autonomie der Nebenschilddrüsen oder Missverhältnis zwischen PTH-Produktion und -bedarf

Laborveränderungen

PTH↑, Ca++

Anatomie

Adenom
oder
Hyperplasie

Diagnostik

Jedes in der Routinediagnostik aufgefallene erhöhte Kalzium sollte Anlass zur weiteren Abklärung geben, weil dieser Wert wie gesagt sehr eng reguliert wird und bereits eine kleine Abweichung von der Norm Krankheitswert besitzt. Als weiterer Parameter sollte das Phosphat bestimmt werden, auch dies zeigt charakteristische Veränderungen (Link). Da ein Hyperparathyreoidismus auch immer im Rahmen einer MEN auftreten kann, sollte auch immer das Calcitonin bestimmt werden, um ein C-Zell-Karzinom nicht zu übersehen.
Bezüglich der Lokalisation eines Nebenschilddrüsenadenoms kann die Sonografie hilfreich sein, wobei es für den Untersucher insbesondere bei knotig veränderter Schilddrüse schwer sein kann, ein Adenom davon abzugrenzen. Als weitere Lokalisationsdiagnostik steht die Szintigrafie
zur Verfügung. Diese wird mitt 99m-Technetium durchgeführt und kann unter Umständen auch Hinweise auf die Lokalisation eines Adenoms geben.
Die seitengetrennte Blutabnahme aus den Halsvenen und anschließende Hormonbestimmung ist ein weiterer Versuch, die Lokalisation einzugrenzen.
Am verlässlichsten ist jedoch die intraoperative Lokalisation, was natürlich eine komplette Freilegung aller Nebenschilddrüsen voraussetzt. Wenn präoperativ zwei verschiedene Untersuchungsverfahren eine identische Lokalisation angegeben haben, ist es gerechtfertigt, über dieser Stelle einen minimal-invasiven Zugang zu wählen und die Operation so über einen nur ca. 1 cm großen Schnitt durchzuführen.

Operation

Intraoperativ steht mittlerweile auch eine unmittelbare Parathormonbestimmung zur Verfügung. Bei dieser sog. Quick-PTH-Messung macht man sich die sehr kurze Halbwertszeit des Hormons zu Nutze, in dem man zu Beginn der Operation einen Ausgangswert und ca. 5 min. nach Resektion eines verdächtigen Nebenschilddrüsenkörperchens erneut den Parathormonspiegel bestimmt.

Fällt der Wert auf 10% des Ausgangswertes ab, kann davon ausgegangen werden, dass das Adenom erfolgreich entfernt wurde und die Operation beendet werden kann. Andernfalls müssen die anderen Epithelkörperchen ebenfalls freigelegt und begutachtet werden.
Bei einem primären Hyperparathyreoidismus ist das Ziel der Operation, das Adenom zu finden und zu entfernen. Die restlichen Nebenschilddrüsenkörperchen müssen nicht zwingend

dargestellt werden, wenn die Lokalisationsdiagnostik eindeutig war und die intraoperative Quick-PTH-Messung die erfolgreiche Resektion bestätigen kann. Wenn keine präoperative Lokalisation möglich ist, müssen alle vier Nebenschilddrüsen freigelegt und intraoperativ anhand ihrer Größe oder eventuell durch Schnellschnittbiopsie beurteilt werden. Das war übrigens auch das klassische Vorgehen vor Einführung der Szintigrafie.
Bei einem sekundären HPT sind alle Nebenschilddrüsen verantwortlich für die Erhöhung des Parathormons. Daher kann nicht ein einzelnes davon entfernt werden. Alle Epithelkörperchen zu entfernen wäre auch nicht gut, da ein absoluter Hypoparathryreoidismus die Folge wäre. Es müssen daher 3 ½ Drüsen entfernt oder alternativ alle vier entfernt und ein Teil einer Drüse replantiert werden. Dabei erfolgt eine
Autotransplantation in einen Muskel, entweder am Unterarm oder in den Sternocleidomastoideus, wo das Gewebe dann durch Diffusion mit Sauerstoff versorgt werden kann. Dazu wird die Oberfläche vergrößert, in dem das Gewebe in kleine Stückchen geschnitten wird. Die entfernten Drüsen werden kryoasserviert, um eine spätere Retransplantation zu ermöglichen, falls der Parathormonspiegel abfällt, sei es durch untergang des initial transplantiertes Gewebes oder durch Besseitigung der Ursache des Hyperparathyreoidismus, z.B. durch Nierentransplantation.

Das Vorgehen beim tertiärem HPT entspricht dem des sekundären HPT, wobei natürlich darauf geachtet werden sollte, dass nicht das adenomatös veränderte Epithelkörperchen replantiert wird.

Endokrine Chirurgie

August 1, 2011admin0

Mit dem Ultraschall kann man die Größe der Schilddrüse bestimmen und Knotenbefunde erheben.

Neben der Anzahl und Lokalisation der Knoten kann etwas über ihre Beschaffenheit ausgesagt werden und das Binnenechomuster. Dies kann erste Hinweise auf die Dignität eines Befundes liefern…Weiterlesen

Mit Hilfe von Technetium-Pertechnetat kann die Stoffwechselaktivität eines auffälligen Befundes beurteilt werden…Weiterlesen

Die endgültige Dignität kann nur durch den Pathologen festgelegt werden…Weiterlesen

Patientenbeispiel

Bei dieser jungen Frau wurde ein adrenales Cushing-Syndrom festgestellt. Die Diagnosenstellung gelang nach einer längeren Odyssee letztlich im CT. Unten sehen sie das CT-Bild des Nebennierenadenoms.

Rechts sehen Sie die Patientin unmittelbar vor der laparoskopischen Adrenalektomie und 6 Monate danach.

Eindrucksvoll ist die Rückbildung des ausgeprägten Vollmondgesichts und des Stiernackens.
Lesen Sie mehr über Morbus Cushing…

Präoperativ

Präoperativ

Postoperativ

Postoperativ

Nebennierenadenom
Basedow
Hyperparathyreoidismus
Nebenniere
SD-CA
M. crohn
Gästebuch
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(aber sie ist erforderlich)
Kerstin
(Donnerstag, Mai 17. 2012 02:33 PM)
Großartig! Eignet sich gerade super zur Vorbereitung aufs Staatsexamen, weil es einem hier gelingt den Überblick zu behalten!
Matthias Janssen
(Sonntag, Mai 6. 2012 02:34 PM)
Hervorragend! Vor Allem zur StEx-Vorbereitung :P
Danke!
Kät
(Sonntag, Mai 6. 2012 10:50 AM)
Vielen Dank für diese tolle Seite!
Dank der übersichtlichen Gliederung und den klar zusammengestellten Fakten konnte ich nochmal die wichtigsten Sachen innerhalb kurzer Zeit wiederholen.Klasse!
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:43 AM)
…nur eine Anmerkung zur Ulkus-Seite: “die Hauptproduktion der Säure findet im Antrum statt” ist etwas verwirrend, finden sich die Belegzellen doch in Korpus und Fundus und nur die G-Zellen im Antrum….
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:40 AM)
Lieber Herr Wierlemann,
die Seite ist genial!! Vielen herzlichen Dank, besonders der Abschnitt zum Rektum-CA ist eine reiche Quelle an Informationen!!!

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Dr. med. A. Wierlemann Oberdürrbacherstr. 6

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Email: Wierlemann_A@chirurgie.uni-wuerzburg.de

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