Schenkelhernie
Schenkelhernien
Brüche, die unter dem Leistenband durch die Lacuna vasorum durchtreten werden als Schenkelhernie bezeichnet. Sie sind häufiger bei Frauen anzutreffen und machen dort den Großteil aller Hernien aus. Die Diagnose ist schwieriger zu stellen als bei Leistenbrüchen, als Differentialdiagnose kommen vergrößerte Lymphknoten in Betracht.
Hier sehen Sie das Beispiel einer Patientin mit einer inkarzerierten Schenkelhernie. Links das nachcolorierte CT-Bild und rechts Bilder vom OP-Situs.
Nach Eröffnung des Bruchsacks fand sich eine Dünndarmnekrose, so dass die Patientin zusätzlich am Unterbauch laparotomiert wurde. Es fand sich eine kurzstreckige Nekrose, als Folge der Inkarzeration war es zu einem Ileus gekommen. Es wurde eine Dünndarmteilresektion durchgeführt.
Hernien_Narbenhernien
Narbenhernien
Jede Inzision der Bauchwand, jede abdominelle Operation hinterlässt eine Schwachstelle in der Integrität der Bauchdecke, die im weiteren Verlauf zur Ausbildung eines Narbenbruchs führen kann. Insbesondere bei den kleineren Brüchen besteht wiederum eine Einklemmungs- oder Inkarzerationsgefahr. Durch große Bruchlücken können ganze Organpakete und der gesamte Dünndarm eventerieren. Diese Brüche sind mit unter sehr schwer zu versorgen. Hatte man früher vor allem bei kleineren Brüchen die Direktnaht der Bruchlücke favorisiert, ist es heute Standard, Narbenbrüche mit einer Netzeinlage zu versorgen.
Die Position des Netzes kann dabei variieren, neben dem offenen Zugang steht in manchen Fällen die minimal invasive Herniotomie und Reparation mit Netzeinlage zur Verfügung.
Wird das Netz von ventral auf die Rektusmuskulatur aufgebracht, spricht man vom Onlay-Verfahren. Zwischen den Rektusbäuchen platziert, vom Inlay-Verfahren. Hinter der Rektusmuskulatur aber vor dem hinteren Blatt der Rektusscheide liegt das Netz in Sublay-Position. Dieses Verfahren bietet die beste Stabilität und das geringste Rezidiv-Risiko. Dorsal der hinteren Rektusscheide aber vor dem Peritoneum ist die Underlay-Position. Netze schließlich, die intraabdominell, also hinter das Peritoneum gelegt werden, liegen in IPOM-Position. Diese können sowohl offen als auch laparoskopisch platziert werden.
Hernien_Leistenhernien
Als Ursache kommen angeborene oder erworbene Bindegewebsdefekte oder Narben infrage.
Leistenhernien
Der Leistenkanal wird von mehreren anatomischen Strukturen gebildet, deren genaue Kenntnis das Verständnis und die operative Versorgung einer Leistenhernie überhaupt erst ermöglicht. Der Boden des Leistenkanals wird dabei vom Ligamentum inguinale gebildet, die Vorderwand von der Aponeurose des Musculus obliquus externus. Das Dach vom Unterrand des M. obliquus internus und vom M. transversus abdominis. Die Hinterwand des Leistenkanals bildet die Fascia transversalis.
Der Inhalt des Leistenkanals besteht beim Mann aus Ductus deferens, A. testicularis, A. ductus deferentis, Plexus pampiniformis, M. cremaster, Ramus genitalis des N. genitofemoralis und sympathischen Nervenfasern. Bei Frauen verläuft das Ligamentum rotundum oder Lig. teres uteri durch den Leistenkanal.
In einer aktuellen Publikation von Hutan Ashrafian vom Imperial College in London wird die Möglichkeit diskutiert, ob der vitruvianische Mann von Leonardo da vinci auf der linken Seite eine Leistenhernie zeigt.1
Urheber: Leonardo da Vinci (1452-1519) Foto: Luc Viatour / www.Lucnix.be
Symptomatik
Leistenhernien können Schmerzen in der Leiste verursachen oder ein Druck- und Schweregefühl. Das Ausmaß der Beschwerden lässt keine Rückschlüsse auf die Größe einer Hernie zu. Klinisch muss man zwischen einer reponiblen, irreponiblen oder inkarzerierten Leistenhernie unterscheiden. Im letzteren Fall werden die Gefäße des im Bruchsack gefangenen Darms komprimiert, es droht eine Ischämie und Nekrose. Daher besteht in einem solchen Fall immer eine notfallmäßige Operationsindikation.
Diagnostik & Klinik
Die Diagnose eines Leistenbruchs wird prinzipiell klinisch gestellt, d.h. ohne apparative Untersuchungsverfahren. Die Sonografie dient lediglich der Bestätigung oder dem Ausschluss von Differentialdiagnosen wie z.B. einer Hodentorsion.
Beim männlichen Patienten werden die Bruchpforten beider Seiten am stehenden Patienten untersucht. Mit dem Zeigefinger wird vom Skrotum in Richtung des inneren Leistenrings getastet. Dieser sollte mit der Kuppe des Zeigefingers gerade passierbar sein. Lässt man den Patienten nun husten oder pressen, kann man bei Vorliegen einer Leistenhernie eine Vorwölbung tasten. Große Brüche lassen sich selbstverständlich schon mit dem bloßen Auge ohne Tasten erkennen. In einem solchen Fall kann am liegenden Patienten ein Repositionsversuch erfolgen. Insbesondere bei länger eingeklemmten Brüchen sollte dabei aber berücksichtigt werden, dass eingeklemmte Darmanteile bereits ischämisch geschädigt sein könnten und in der Folge zu einer Perforation führen könnten. Daher sollte bei erfolgter Reposition nach längerer Einklemmzeit immer die stationäre Aufnahme erfolgen. Gefürchtet ist auch eine sog. en-bloc-Reposition. Dabei gelingt scheinbar die vollständige Reposition des Bruchinhalts, tatsächlich wird jedoch der Bruch samt Hals reponiert, das einschnürende Hindernis bleibt bestehen.
Operation
Es stehen verschiedene Verfahren zur operativen Behandlung eines Leistenbruchs zur Verfügung. Neben offenen Operationen kommen heute zunehmend auch minimal-invasive Techniken zum Einsatz. Es kann weiter zwischen Naht- und Netz-Verfahren unterschieden werden. Bei den Nahtverfahren wird die anatomische Schwachstelle, die zu der Hernie geführt hat, durch eine Fasziendopplung verstärkt.
Bei den Netzverfahren kommen teilresorbierbare Kunststoffnetze zum Einsatz, die Stabilität durch Vernarbung erzeugen. Bei den endoskopische Verfahren kommen Netze zum Einsatz aber auch bei offenen Verfahren werden diese verwendet.
Welches OP-Verfahren das optimale ist, hängt letztlich von mehreren Faktoren ab, unter anderem vom Alter der Patienten und möglicherweise vorhandenen Risikofaktoren, aber auch von der Frage, ob es sich bei der Hernie um eine Erstmanifestation oder um ein Rezidiv handelt.
Shouldice
Bei diesem offenen Nahtverfahren wird die Hinterwand des Leistenkanals, die Fascia transversalis gespalten und gedoppelt wieder aufeinander genäht. Der Musculus obliquus internus wird zusammen mit dem M. transversum ans Leistenband genäht. Dieser zweite Schritt geschieht in Analogie zur OP nach Bassini, die zugunsten der Shouldice-Operation weitgehend verlassen wurde.
Lichtenstein-Operation
Bei dieser Operation wird nach Spaltung der Externus-Aponeurose ein Kunststoffnetz spannungsfrei am Leistenband und auf der Fascia transversalis verankert. Dieses Netz dient als Stabilisierung der Bauchwand und wird als Matrix für die spätere Vernarbung genutzt.
TAPP – transabdominelle- präperitoneale Plastik
Ein Kunststoffnetz kann auch von intraperitoneal in den Leistenkanal eingebracht werden. Dabei wird über einen transabdominellen minimal-invasiven Zugang das Peritoneum zunächst gefenstert, das Netz hinter der Fascia transversalis platziert und das Peritoneum wieder verschlossen. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass ohne zusätzlichen Schnitt die Gegenseite mit beurteilt und nötigenfalls operativ versorgt werden kann. Auch im Falle eines Rezidivs nach offener Leistenherniotomie bietet sich dieser Zugang an.
TEP – Total extraperitoneale Plastik
Um keine intraabdominellen Verwachsungen oder Verletzungen zu erzeugen, kann die Operation auch in einem neu geschaffenen Raum zwischen der Bauchwand und dem Peritoneum geschaffen werden. Die anatomische Übersicht in diesem durch Dissektion mit einem Ballontrokar künstlich geschaffenen Raum ist nicht ganz einfach, allerdings ist die Gefahr, dass das Netz verrutschen könnte geringer. Die Gegenseite lässt sich ebenfalls inspizieren und ggf. versorgen.
Literaturangaben
- PMID: 21739235.
Allgemeine Chirurgie
Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung der Übertragung von Keimen und Bakterien ist und bleibt das Händewaschen sowie die Händedesinfektion.
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