eLearning Chirurgie

Prof. Germer, Univ. Klinik Würzburg

Adipositaszentrum

November 1, 2011admin0

Adipositaszentrum Würzburg


Alle Operationen in der bariatrischen Chirurgie können heutzutage minimalinvasiv mit einem vertretbaren Risiko durchgeführt werden, Voraussetzung ist allerdings ein interdisziplinäres Zentrum, in dem alle beteiligten Fachdisziplinen an der konservativen Therapie, Indikationsstellung, Vorbereitung und Durchführung der Operation und vor allem auch an der lebenslangen Nachsorge der Patienten beteiligt sind. Zur Verhinderung von Mangelerscheinungen müssen die Patienten nach Magenbypass ein Leben lang Vitamine und Spurenelemente zusätzlich einnehmen, da diese im proximalen Gastrointestinaltrakt aufgenommen werden. Auch das Erkennen und Behandeln von anderen Komplikationen erfordert viel Erfahrung und Expertise.

Von der deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie wurden 2009 daher Richtlinien erarbeitet, nach dem sich Kliniken als Adipositaszentren zertifizieren können. Neben gewissen infrastrukturellen Voraussetzungen wird dabei ein adipositas-erfahrenes Chirurgenteam und eine Mindestanzahl an bariatrischen Eingriffen gefordert.

Am Adipositaszentrum Würzburg werden seit 1997 morbid adipöse Patienten auch operativ behandelt.

Bariatrische Chirurgie

November 1, 2011admin0

Epidemiologie

Der Anteil adipöser Menschen steigt weltweit dramatisch an. Man kann mittlerweile richtiggehend von einer epidemie- oder sogar pandemieartigen Ausbreitung dieser Erkrankung sprechen. Nach aktuellen Daten der WHO zu Folge sind in Deutschland ca. 21.3 % der Menschen adipös, d.h. sie weisen einen BMI von mehr als 30 kg/m2 auf.

Ab einem BMI von 35 kg/m2 spricht man von Adipositas Grad II, ab einem BMI von mehr als 40 kg/m2 von Adipositas Grad III. Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch, zahlreiche Nebenerkrankungen werden durch die Fettsucht verursacht, allen voran der Diabetes mellitus und kardiovaskuläre Erkrankungen. Aber auch verschiedene Krebsarten sind bei adipösen Menschen häufiger anzutreffen als bei normalgewichtigen.

Epidemie Adipositas
Dazu kommen massive ökonomische Auswirkungen durch höhere Gesundheitskosten und krankheitsbedingte Ausfälle. Für den Einzelnen bedeutet eine morbide Adipositas meist ein deutlicher Verlust an Lebensqualität, nicht selten soziale Ausgrenzung und die Konfrontation mit Vorurteilen. Der oft wahrscheinlich gut gemeinte Rat: „Esst weniger und bewegt euch mehr“, den sicher schon jeder Adipöse hören musste, ignoriert aber die Tatsache, dass dieser Ratschlag sicher eine gute Prävention der Adipositas darstellt, aber mitnichten eine wirksame Therapie. Ein Patient, der so übergewichtig ist, das sich neben Belastungsdyspnoe auch starke Gelenkbeschwerden oder –degenerationen eingestellt haben, wird dieser Empfehlung nur bedingt folgen können.

chips
Gleichzeitig leben wir in einer Gesellschaft, in der wir uns immer weniger bewegen, harte körperliche Arbeit deutlich seltener geworden ist und gleichzeitig sehr energiedichte billige Lebensmittel im Überfluss vorhanden sind und aggressiv beworben werden. All dies mag zum sprunghaften Anstieg der Adipositas beitragen, wie er seit den 70er Jahren in nahezu allen Industrie- aber auch Schwellenländern zu sehen ist.

Da die konservative Therapie mit ihren eher geringen Wirksamkeit nicht geeignet ist, das Problem für die Mehrzahl der Patienten zu lösen, wurden operative Verfahren entwickelt, die die Anatomie und Physiologie der Nahrungsaufnahme so verändern, dass eine rasche und nachhaltige Gewichtsabnahme möglich wird.

In den vereinigten Staaten von Amerika, die uns in der Entwicklung der Adipositas augenscheinlich etwas voraus sind, haben Eingriffe bei morbider Adipositas derart zugenommen, dass sie Gallenblasen- und Leistenbruchoperation als häufigste Eingriffe bereits überholt haben. Auch in Europa werden diese Eingriffe immer häufiger durchgeführt.

Voraussetzungen

Ein operativer Eingriff zur Reduzierung von krankhaftem Übergewicht stellt immer einen erheblichen Eingriff in die Anatomie des Körpers dar und hat mitunter entscheidenden Einfluss auf die Verdauung und Nahrungsverwertung. Dazu kommen die Risiken, die immer mit einem großen chirurgischen Eingriff verbunden sind.

Daher sollte eine chirurgische Maßnahme nie als erste Option in Frage kommen sondern stets erst dann gewählt werden, wenn alle anderen Therapieansätze versagt haben oder keinen Erfolg versprechen.

Die Operationen werden zur Zeit nicht standardmäßig von den Krankenkassen bezahlt, jeder Eingriff muss einzeln beantragt und begründet werden. Neben den medizinischen Kriterien, wann eine Operation sinnvoll ist, sind weitere Bedingungen zu erfüllen, damit die Krankenkasse die Kosten für eine solche OP übernimmt.

Folgende Kriterien sollten erfüllt sein:

  • Patienten sind zwischen 18 und 65 Jahre alt.
  • Der BMI ist größer als 40 kg/m² 
oder der BMI ist größer als 35 und
die Patienten leiden an Gesundheitsproblemen, die mit schwerem Übergewicht verbunden sind. Z.B. Diabetes, Gelenkprobleme, Herzprobleme oder Schnarchen mit regelmäßigem Aussetzen der Atmung (Schlafapnoe).
  • Das Übergewicht besteht seit mehr als 5 Jahren.
  • Es wurde ein multimodaler konservativer Therapieversuch über mehr als 6 Monate erfolglos durchgeführt.
  • Die Patienten haben keine andere Krankheit, die für das Übergewicht verantwortlich sein könnte.
  • Ausreichende Compliance
  • Es liegt kein übermäßiger Alkoholkonsum vor oder gar Drogenabusus

Für einen ausreichenden konservativen Therapieversuch muss ein Behandlungskonzept Elemente aus den drei wichtigen Säulen Bewegung, Ernährung und Verhalten aufweisen. Die Therapieansätze aus diesen Teilbereichen müssen gleichzeitig und aufeinander abgestimmt erfolgen. Unterstützend können Medikamente eingesetzt werden. Jeder Therapieversuch, der nicht diese drei Säulen abdeckt, wird von den Krankenkassen als nicht ausreichend bewertet.

Drei-Säulen-Therapie

Upper-GIT

September 15, 2011admin0

Gästebuch
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Kerstin
(Donnerstag, Mai 17. 2012 02:33 PM)
Großartig! Eignet sich gerade super zur Vorbereitung aufs Staatsexamen, weil es einem hier gelingt den Überblick zu behalten!
Matthias Janssen
(Sonntag, Mai 6. 2012 02:34 PM)
Hervorragend! Vor Allem zur StEx-Vorbereitung :P
Danke!
Kät
(Sonntag, Mai 6. 2012 10:50 AM)
Vielen Dank für diese tolle Seite!
Dank der übersichtlichen Gliederung und den klar zusammengestellten Fakten konnte ich nochmal die wichtigsten Sachen innerhalb kurzer Zeit wiederholen.Klasse!
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:43 AM)
…nur eine Anmerkung zur Ulkus-Seite: “die Hauptproduktion der Säure findet im Antrum statt” ist etwas verwirrend, finden sich die Belegzellen doch in Korpus und Fundus und nur die G-Zellen im Antrum….
S.H.
(Montag, Apr 30. 2012 07:40 AM)
Lieber Herr Wierlemann,
die Seite ist genial!! Vielen herzlichen Dank, besonders der Abschnitt zum Rektum-CA ist eine reiche Quelle an Informationen!!!

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Dr. med. A. Wierlemann Oberdürrbacherstr. 6

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Email: Wierlemann_A@chirurgie.uni-wuerzburg.de

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